Römerausstellung

Entdeckung und Ausgrabung

Das frührömische Lager von Dangstetten am Hochrhein wurde 1967 beim Kiesabbau entdeckt. Die Ausgrabungen dauerten mit Unterbrechungen fast zwei Jahrzehnte und lieferten für Südwestdeutschland einzigartiges Fundmaterial. Dieser setzt sich zusammen aus Teilen der militärischen Ausrüstung, aus Trachtbestandteilen, Dingen des täglichen Bedarfs, Werkzeugen, Lampen, Tongeschirr Gläsern, Amphoren, worunter besonders die zahlreichen gestempelten Sigillaten aus italischen und vereinzelt südfranzösischen Werkstätten, sowie der reiche Bestand an Fibeln herauszuheben ist. Das Lager kann sehr genau datiert werden: um 15 v. Chr. gegründet, wurde es wohl schon im Jahr 8 oder 7 v.Chr. wieder aufgegeben. Die fundreichen Strukturen überlagern sich nicht, der Platz wurde nie modern überbaut. Bei den Grabungen hat man selbst kleinste Fragmente geborgen und jedes Detail sorgfältig dokumentiert. Dies alles macht das Material von Dangstetten zu einem besonders wertvollen Forschungsobjekt.

roemer_kiesgrube_dorfFür eine nach Norden, gegen das Gebiet um die obere Donau operierende Truppe war der Platz auf der rechten Seite des Rheintals vorzüglich gewählt. Er lag nahe dem Fluss, der an dieser Stelle von einem alten Verkehrsweg überquert wurde, auf dem man vom Schweizer Mittelland, letztlich von Oberitalien her, über die Alpenpässe der östlichen und westlichen Schweiz hinauf zur Oberen Donau und weiter ins Neckartal gelangte. Zwischen Basler Rheinknie und dem westlichen Ende des Bodensees war dies die einzige von der Natur vorgegeben Nord-Süd-Route, in römischer Zeit zu einer Hauptstraße ausgebaut, an der u.a. die später wichtigen Plätze Vindonissa (Windisch im Aargau), Brigobannis (Hüfingen) und Arae Flaviae (Rottweil) lagen. Über den Rhein als Wasserstrasse war außerdem Nachschub aus Gallien möglich, wobei vermutliche der Hafenplatz Augusta Raurica (Augst bei Basel) eine wichtige Rolle spielte.

roemer_osttor Für die ganze XIX. Legion reichte der zur Verfügung stehende Platz mit etwa 14 bis 15 ha Lagergröße nicht aus, zumal auch noch Hilfstruppen unterzubringen waren. Jedenfalls lässt sich archäologisch die Anwesenheit eines nicht allzu kleinen gallischen Reiterkontingents wie auch von orientalischen Bogenschützen erschließen. Hinweise auf eine germanische Komponente im Lager sind spärlich, aber immerhin vorhanden. Auch dies würde gut zum Gesamtbild einer solchen „Expeditionsarmee“ frührömischer Zeit passen, wie wir es auch von anderen militärischen Fundplätzen und aus der schriftlichen Überlieferung kennen.

 

Die exakte Datierung des Dangstetter Lagers, einerseits aus dem historischen Kontext (Alpenfeldzug), andererseits nach dem Münzbestand, macht es erstmals für Südwestdeutschland möglich, das archäologische Formenspektrum mittelaugusteischer Zeit zu definieren und die hierbei gewonnenen Erkenntnisse auch auf anderer Fundplätze anzuwenden und in andere Regionen des Römischen Reiches zu übertragen.

Quelle: G. Fingerlin, Dangstetten II